martes, 2 de noviembre de 2010

Ich lebe noch...


Ich wache auf. Meine Handgelenke und Knöchel sind gefesselt. Ich öffne meine Augen und sofort beginnen sie zu weinen. Ich fühle mich unsagbar machtlos und ich schließe meine Augen. Ich schlafe ein. Ich wache wieder auf und ich entdecke mich, auf einem Bett der IMSS, auf einer grünen, stiefen Matte des Krankenhauses. Ich schlafe ein und wenn ich mich wieder aufwache, entdecke mich von neuem gefesselt, mit einer langen Schlauch zu meinem Arm angeschlossen, mit weiß Gott wie viele Elektroden an meinem Brust geklebt und mit einer Schlauch in meiner Nase. Noch mal zieht mich die Unmachtlosigkeit zum schlafen.
Jetzt, wenn ich aufwache, sehe ich meine Mutter. Ich schließe meine Augen und sie ist nicht mehr da. Und wenn ich wieder meine Augen öffne, sehe ich meine Schwester da, wo einmal meine Mutter war. Sie weint. Meine Mutter hat auch geweint. (Soll ich es wiederholen? Oder verstehst du schon worum es geht?) Ich schließe Auge. Ich öffne Augen und da bist du. Ich denke, jetzt bin ich ganz nicht sicher, ob da warst du, wo eins Mutter und Schwester gestanden sind. Du striechelst meinen Arm. Du siehst mich. Dein Blick ist traurig. Meine Augen ertragen nicht deinen Blick und sie weinen und sie wollen sich schließen, denn sie wollen nicht an deinen traurigen Blick erinnern. Sie wollen auch nicht denken, an den Grund, der mich zu diesem Bett, in diesem Krankenhaus brachte.
Zehn? Fünfzehn? Jetzt weiß ich nicht wie viele rosa, kleinen Tabletten habe ich geschluckt. Ich habe mit dir telefoniert, wenn plötzlich, auf einmal, bin ich von dem Stuhl gefallen und ich bin bewußtlos geworden. Die Welt war aus. Ich erinnere mich nur an die Stimme meiner Oma: Halt du Kleinchen. Bleib noch bei uns. An mehr kann ich mich nicht erinnern: nicht an das Krankenhaus, nicht an die Magenspülung, nich einmal an das Moment, in dem ich gefesselt wurde.
Ich schlief nur. Ich weinte nur, als ich aufwachte. Ich fühlte nur Unmachtlosigkeit, weil ich gefesselt war. Mehr gibt es nicht woran sich zu erinnern: die Besuche, die Ärzte, die mich bedrohten und sagten: wir werden dich in das Irrebhaus schicken, die Krankenschwestern, die mir das Blut abnahmen. Daran will ich mich nicht mehr erinnern.
Woher kommt der Wahnsinn? Woher die Notwendigkeit, um das Leben zu beenden? Ich dachte, dass ohne dich kein Leben gab, dass ohne dich die Welt aus war. Jetzt weiß ich, dass obwohl uns die Stille trennt, genugt uns nur ein wort, um die Entfernung zu löschen.

Und die Stille ist auch notwendig, bevor man nichts sagt.